suedkurier.de - 31.01.2006
Mozart-Party mit Witz und Wohlklang
Jauchzendes Publikum beim Geburtstagsfest mit dem Kammerchor im Wolkensteinsaal - "Zauberflöte" im Schnelldurchgang
Mit einem vielstimmigen Opernständchen jubelte der Konstanzer Kammerchor seine Geburtstags-Party ein: Figaro lud mit schnellen Achteln den Torero ein, der sich bei Schubert-Harmonien von c-moll -Schicksalsschlägen erholen wollte, dies auch mit Aida an der schönen blauen Donau tat, wo es hymnisch wallte und chromatisch strömte, bis Wilhelm Tell auf Rossini-Rossen dahergaloppierte, worauf Papageno erschien und auf alles pfiff. Es war, mit Mozart (KV 522) zu sprechen, ein höchst gelungener "Musikalischer Spaß" - und das ganze Konzert blieb dem Vergnüglichen verbunden, ohne das Ernste ganz zu verdrängen oder die Klassiker-Kunst in der Spaßgeselligkeit verschwinden zu lassen. Denn es gab erstens einige Informationen zu Leben, Werk und Wirkung des Gefeierten: Michael Auer führte facettenreich mit mozartgemäßer kritischer Heiterkeit durchs Fest, Iole aus der Schmitten gab Textproben mit lyrischen Einlagen und Mozartscher Hochzeitspoesie. Zweitens hörte man, zumal in den Liedern Mozarts, innige Seelenangebote: Eine rokokokokett-genüssliche "Dankesarie" und eine schelmische Ohrwurm-Ode (Tenor und Texterneuerer: Bernd Wellhöner), eine Liedszene, in der Luise mit emanzipatorischer Entschlossenheit Liebesbriefe dem Feuer überantwortet, eine "Abendempfindung" mit sanfter Todesmelancholie und das lieblich-schlichte "Komm, lieber Mai" (mit feinen Charakterisierungen gesungen von Claudia von Tilzer, mit schöner und heller Klavierpoesie geschmückt von Maria Rapp). Drittens vernahm man die köstlich Satz für Satz gelungen musizierte Huldigung Beethovens: Matthew Brooke und die Pianistin spielten Duett-Variationen aus der "Zauberflöte". Diese Oper wurde mit Grandiosapplaus gefeiert, als das Stuttgarter junge "S'Cream Team"-Vokalsextett sie in sechs Minuten über die Bühne sang: Voll die ersten Akkorde, posaunenweich mit Hand-Vibrato der Priestermarsch, keck der Vogelfänger-Kurzauftritt, furios die Rache-Arie. Da zeigte die Königin der Nacht ihr wahres Wesen: Koloratur-Komikerin. Das Publikum jauchzte! Das tat es noch einmal beim zweiten Sextett-Auftritt mit Mozartiana-Spielen in Ellington- und McCartney-Klangkostümen und einem Rezept für Mozartkugeln. Höchst kunstvoll wurden die süßen Geschosse bereitet, doch die Zutaten (vor allem das Mehl) ließen vermuten: Hier wurde eine neue Spezialität kreiert -Mozartknödel. Wie es sich für eine Fest-Revue gehört, vereinte sich alles, vom Chor über die impulsiven Zauberflöten-Damen bis zum Bravour-Sextett zum vollen Tutti-Finale mit Serail-Tschinellen und dem fortissimo erhobenen Eigentumsvermerk "Unser Mozart lebe hoch!". Großer, langer Schluss- und Standapplaus, dazu ein Gläschen jenes perlend-belebenden Getränks, das Mozarts Don Giovanni schon als unverzichtbaren Party-Genuss besungen und seinen Gästen kredenzt hat.
Helmut Weidhase